Frauen mit Kinderwunsch sollten möglichst schon vor einer Schwangerschaft Folsäure einnehmen, um den erhöhten Folatbedarf zu decken. Das Vitamin ist wichtig für Zellteilung und Wachstum, ein Mangel erhöht das Risiko für Fehlbildungen wie Neuralrohrdefekte, so das Netzwerk «Gesund ins Leben».
Normalerweise schließt sich das Neuralrohr, aus dem sich das Zentralnervensystem entwickelt, schon drei bis vier Wochen nach der Empfängnis. «Zu diesem Zeitpunkt wissen viele Frauen noch nicht, dass sie schwanger sind», sagt die Gynäkologin Cornelia Hösemann vom Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte. «Deshalb ist es sinnvoll, den Folat-Speicher wenn möglich schon vor der Schwangerschaft aufzufüllen.»
Das Netzwerk empfiehlt Frauen mit Kinderwunsch, ab Beginn des Kinderwunsches bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels täglich 400 Mikrogramm Folsäure einzunehmen. Die Einnahme sollte mindestens vier Wochen vor einer Schwangerschaft beginnen.
Folatbedarf auch über die Ernährung decken
Wer erst nach einem positiven Schwangerschaftstest mit der Einnahme anfängt oder weniger als vier Wochen vorher begonnen hat, sollte bis zum Ende des ersten Trimesters ein Präparat mit täglich 800 Mikrogramm einnehmen. Die höhere Dosis gleiche den späteren Beginn aus. Der Folsäurebedarf steigt in der Schwangerschaft um 83 Prozent. Über die Ernährung allein lasse sich der Mehrbedarf im Alltag nur schwer decken.
Eine ausgewogene Ernährung mit folatreichen Lebensmitteln ergänze die Einnahme aber, heißt es vom Netzwerk weiter. Dazu zählen unter anderem grünes Blattgemüse wie Spinat und Feldsalat, außerdem Tomaten, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Eier und Vollkornprodukte.
Frühzeitig mit Ärztin oder Arzt sprechen
Auch andere Nährstoffe sind rund um eine Schwangerschaft besonders wichtig. Jod, das etwa für die Gehirnentwicklung des Kindes wichtig ist, und Vitamin D für gesundes Knochenwachstum können in Absprache mit Arzt oder Ärztin ergänzend zur Ernährung sinnvoll sein. Eine wichtige Rolle spielt auch Eisen. Sowohl ein Eisenmangel als auch ein erhöhter Eisenstatus können das Risiko für Frühgeburt und geringes Geburtsgewicht erhöhen, warnt «Gesund ins Leben». Schwangere sollten daher nicht grundsätzlich Eisen-Präparate einnehmen, sondern nur nach einem laborchemisch diagnostizierten Mangel.
Nicht nur eine unzureichende Nährstoffversorgung, sondern auch genetische Faktoren der Eltern sowie die Einnahme bestimmter Medikamente können das ungeborene Kind erheblich beeinträchtigen. Frauen mit Kinderwunsch sollten frühzeitig mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt sprechen, um mögliche teratogene, also fruchtschädigende, Wirkungen wie Fehlbildungen beim Ungeborenen zu vermeiden, rät der Bundesverband der Frauenärzte (BVF).


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